Attribution im Alltag. Möge die Macht mit dir sein!

Hast du gelegentlich das Gefühl an Strippen zu tanzen? Oder hast du das Gefühl, dass die Welt ungerecht zu dir ist? Dann begleite mich auf eine Reise der Attributionen, zurück zur Macht über das eigene Glück. 

Ein Gefühl von Machtlosigkeit entsteht, wenn du die Schuld für dein Erleben sowie Befinden Anderen (Menschen, Natur, Schicksal, Gott, etc.) zuschiebst. Die Zuschreibung von Ursachen nennt sich Attribution. Machtlosigkeit ist fehlerhafte Attribution.

Mit einem einfachen Dreischritt holst du dir deine Macht zurück:

  1. Erkenne deine Schuldabschiebung.
  2. Akzeptiere die Situation: „Was ist, ist.“
  3. Verändere deine Wahrnehmung, deine Urteile und schließlich dein Empfinden.


Kurzum kehrt jedes Problem, was du im „Außen“ löst, in anderer Form zu dir zurück. Eine Auflösung ist nur möglich, indem du die innere Ursache des Problems bereinigst.

Richtige Attribution ist ein zentraler Schlüssel für Glück und Zufriedenheit.

Inhalt

Tägliche Lektion auf dem Schulhof

Kinder Schulhof

Es ist Pause und auf dem Schulhof wuselt es vor Kindern. Alle rennen durcheinander, quieken lauthals vor sich hin, essen farbenfrohe Zuckerware und spielen mir bis heute unbekannte Spiele mit anscheinend ständig wechselndem Regelwerk. Mitten in diesem farbenfrohen Mob befinden sich auch größere Wesen. Sie stehen, stoische Ruhe ausstrahlend, in neonfarbenden Westen im Getümmel und beantworten im Sekundentakt Fragen der kleinen Racker. Das sind meine Kollegen, zumindest jene, die gerade das Pech einer Hof-Aufsicht haben. 
Ich sehe, wie ein Zweitklässler weinend zum neonfarbenden Ruhepol läuft. Beobachtet wird er mit schuldhafter, leicht verängstigter Miene von einem Viertklässler. Ich bin mir ziemlich sicher, dass letzterer den Kleinen gerade provoziert hat, um sich an dessen Reaktion zu erfreuen. Was wird der Lehrer tun? 
Der Kleine erklärt theatralisch sein Problem. Nachdem er seine Rede beendet hat, ist nun der Große, leuchtende an der Reihe. Er beruhigt den Kleinen, ehe er ihm folgendes mit auf den Weg gibt:

"Er kann dich nur provozieren, wenn du dich provozieren lässt. Versuche, solchen Kindern keine Aufmerksamkeit zu geben, dann hören sie ziemlich schnell auf. Glaub mir, das funktioniert!"

Viele Meiner Kollegen würden dem Kleinen etwas Ähnliches sagen. Sie haben ja auch Recht! Insofern man ausreichend Standfestigkeit besitzt, funktioniert Ignorieren tatsächlich. Das beweisen hunderte SchülerInnen, die nicht provoziert, beleidig oder angegriffen werden. Auch meine Erfahrung beweist das, denn ich habe damals geärgert. Wenn ein Mitschüler nicht mehr auf mich reagierte, hab ich schnell die Lust verloren.
Im Präventionsunterricht der Polizei heißt dieses Phänomen übrigens: „Opferhaltung vermeiden“. Jedes Kind muss das irgendwann einmal lernen. Und die meisten haben es auch geschafft.

Schulhof im Alltag

Ärger Attribution

Du weißt, dass ich bei der Schule nicht stehen bleiben kann. Erweitern wir den Schulhof einmal auf die ganze Welt. Nehmen wir ein paar Situationen, die dem Erwachsenen näher sind und ihn ungefähr genauso auf die Palme bringen können:

Situation 1
Dein Partner/deine Partnerin handelt nicht so, wie du es von ihm/ihr erwarten würdest. Das enttäuscht und verletzt dich.

Situation 2
Du hast getrunken und verhältst dich total daneben. Du bittest um Nachsicht aufgrund deines Alkoholkonsums.

Situation 3
Im morgendlichen Straßenverkehr ertappst du dich wiederholt dabei, wie du deine Mitmenschen verfluchst. Weil sie kein Auto fahren können, wünscht du ihnen die Pest an den Hals oder schlimmeres.

 

Was du mit dem Kind gemeinsam hast

Jede dieser Situationen ist natürlich höchst komplex und einzigartig in ihrer Dynamik. Schaust man jedoch mit einem verallgemeinernden Blick darauf, findet man einen gemeinsamen Nenner Er lehnt sich an unser obiges Schuljungen-Beispiel an: Es handelt sich um Attribution, einem Phänomen der Psychologie. 

Attribution bezeichnet die Zuschreibung von Eigenschaften zur eigenen Person sowie anderen Menschen. Sie kennzeichnet ferner die Zuschreibung vermuteter Ursachen, sowohl auf eigene oder fremde Handlungen, als auch auf reale, äußere Vorgänge.

WOW! Was für eine Definition. Sie auseinander zu nehmen überlassen wir mal Wikipedia. Mir ist für unsere obigen Alltagssituationen nur ein Aspekt in der Definition wichtig: Die Zuschreibung von vermuteten Ursachen auf fremde Handlungen oder äußere Vorgänge. Das bedeutet salopp gesagt: Du gibst die Schuld Anderen, der Welt, Gott, der Natur oder Ähnlichem. Daraus resultiert ein Gefühl von Machtlosigkeit. Eine andere Person oder ein äußerer Umstand hat die Kontrolle über dein Erleben und Empfinden – als hingest du an den Fäden eines Marionettenspielers. Du fühlst dich wie der kleine Zweitklässler auf dem Schulhof. 

 

Marionette Macht Attribution

Drei Schritte, um die Macht zurückzuholen

Sobald dir bewusst wird, dass du Schuld abschiebst, hast du die Kontrolle schon halb zurück gewonnen. Der Prozess besteht aus 3 Schritten.

1. Erkenne, wann du dem „Außen“ die Schuld zuschiebst und deine Macht aus den Händen gibst.
2. Akzeptiere das Verhalten oder die Situation so wie sie ist, als neutrales Ereignis. Zaubersatz: „Was ist. ist.“
3. Kümmere dich um das, was du unter Kontrolle hast: Dein Empfinden, deine Wahrnehmung, deine Urteile.

Zurück zu unseren Beispielen: Dein Partner/deine Partnerin ist nicht dafür verantwortlich, dich mit seinem/ihren Verhalten glücklich zu machen. Akzeptiere ihn/sie so, wie er/sie ist und hol die Macht über dein Glück zurück zu dir. Zweitens: Alkohol ist ein Verstärker, jedoch nicht der Grund für dein Fehlverhalten. Ein Mensch wird aggressiv, der nächste schläfrig, ein weiterer wiederum sexuell anzüglich, freizügig, etc. Alkohol intensiviert nur jene Tendenzen, die du ohnehin hast, aber unter normalen Umständen kontrollierst. Zuletzt ist das Straßenverkehrsbeispiel ein Zeichen für innere Ungeduld. Du kannst in deinem Auto so viel zappeln wie du willst, es ändert ja doch nichts. Lass den Verkehr keine Macht über dein Befinden haben, lass dich nicht provozieren.

 

Behalte die Macht bei dir

Machtvoll Macht Attribution

Es ist traurig, aber wahr: Die meisten Menschen flüchten von einer in die nächste Situation, tauschen Liebende aus, wechseln Jobs, ändern ihren Wohnort, alles mögliche. Sie versuchen im Außen Probleme zu lösen, die ihre Ursache im Inneren haben. Da die Welt ein geduldiger Lehrmeister ist, werden, egal wohin du gehst, egal wie oft du flüchtest, die Probleme in einem neuen Gewand immer wieder zu dir zurückkehren. Bis du sie schließlich als das anerkennst, was sie sind und im Inneren die Lösung findest. 

Die richtige Attribution ist ein entscheidener, wenn nicht der entscheidende Faktor über das eigene Befinden. Schon die Stoiker wussten, dass Glück darin liegt, sich nur darum zu kümmern, was man wirklich unter seiner eigenen Kontrolle hat. Glück hast du in deiner Kontrolle. Du bist die einzige Quelle deiner Emotionen. 

Also hol dir die Macht (wieder) zurück und behalte sie auch.

 

Dein Phil

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